Bernd Heckmann,
oder von einem der auszog sich mal so richtig daneben zu benehmen.
Mit dem Begriff der Tradition verbinde ich, besonders die Grundlagen des Respekts, der Disziplin und der Loyalität. Dass diese Grundlagen oft nicht mit den Interessen des eigenen Egos kompatibel sind, liegt in der Natur der Sache und so ist es tatsächlich immer wieder eine Herausforderung an jeden, der diese Grundlagen ebenfalls für sich verinnerlichen will, sein Handeln nicht ausschließlich vom Ego bestimmen zu lassen. Offensichtlich sind jedoch viele Leute auf dem Pfad einer Tradition unterwegs, die zwar auch die oben angeführten Grundlagen beinhaltet, wo sich diese Leute jedoch ausschließlich in der Verwirklichung ihres Egos üben. Solange dieses Handeln nicht gegen mich selbst als Lehrer oder meine Schule und somit auch meine Schüler richtet, habe ich dies in den letzten Jahren lediglich zur Kenntnis genommen.
Am 9. November wurde während unseres Auftritts beim „Japanischen Abend“ der Kirchengemeinde Gelsenkirchen Rotthausen von Bernd Heckmann, dem Leiter der Gruppe „Arashi Daiko“ aus Gelsenkirchen, der sich selbst offensichtlich als „Traditioneller“ Taikolehrer versteht, diese Grenze deutlich überschritten.
Es hat sich mit der Zunahme an Gruppen in den letzten Jahren die Unart entwickelt, während der Auftritte anderer Gruppen, Handzettel der eigenen Gruppe zu verteilen um so möglicherweise neue Mitglieder zu werben. Bisher beobachtete ich dies in einer Form, die noch einen gewissen höflichen Abstand zu der auftretenden Gruppe wahrte. Man drückte die Zettel den Besuchern vor der Halle in die Hand oder klemmte sie hinter die Scheibenwischer der vor der Halle parkenden Autos.
Selbst das betrachte ich heute als schlechten Stil, doch da ich früher selbst Zettel auf diese Art und Weise verteilte, gebe ich zu, dass auch ich meine Zeit brauchte um ein Gefühl für diesen schlechten Stil zu entwickeln und so benötigt jeder seine Zeit sich davon zu befreien. Da Bernd Heckmann es jedoch noch nicht einmal für nötig hielt, einen höflichen Grundabstand zu wahren und stattdessen seine Zettel den Besuchern der Veranstaltung direkt auf die Tische legte, betrachte ich dieses Verhalten als eine neue Negativqualität dieser Entwicklung und möchte darum mit diesem Text die positive Lerngeschwindigkeit etwas vorantreiben.
Das Verteilen von Eigenwerbung bei Auftritten anderer Gruppen.
Es gibt aus meiner Sicht in erster Linie zwei Gründe warum jemand gegen die Grundzüge des traditionellen Respekts verstößt und die Unhöflichkeit begeht bei Auftritten anderer Gruppen seine eigene Werbung zu verteilen.
- Der Egogesteuerte Grund
Einem Lehrer, der aus diesem Grund wirbt, geht es weniger um die Werbung für seine Gruppe, sondern vielmehr darum, gesehen und wahrgenommen zu werden. Da Bernd Heckmann in seinem Werbezettel angibt über lange Zeit ein Mitglied der Gruppe „Wadaiko Haguruma“ gewesen zu sein (darauf werde ich später noch einmal zurückkommen) und nach seinem Austritt aus der Gruppe von mir und den meisten anderen Mitgliedern der Gruppe bei Begegnungen höflich übersehen wurde, könnte das möglicherweise ein Antrieb für sein Verhalten gewesen sein.
- Das finanzielle Interesse
In diesem Fall geht es kaum um irgendwelche traditionellen Dinge sondern lediglich um das Sichern der eigenen wirtschaftlichen Interessen. Lehrer, die aus diesem Grund ihre Werbung verteilen, sind in der Regel auf die Grundlagen der traditionellen Werte nur schwer ansprechbar, weil sie einem gänzlich anderen Weg folgen. Da Bernd Heckmann jedoch den Begriff „Traditionell“ in Bezug auf das Taiko, bereits auf der ersten Seite hervorhebt, liegt seinem Verhalten möglicherweise ein Mischgebilde aus beiden Punkten zugrunde.
Wie bereits erwähnt, habe auch ich in den Anfängen meiner eigenen Schule auf diese Weise für mich geworben. Die Grundlage dafür bildete sich in erster Line aus dem Bedürfnis gesehen werden zu wollen. Den Anstoß über dieses Bedürfnis nachzudenken erhielt ich von Monika Baumgartl, der Leiterin der Gruppe „Tentekko“, die mich darauf aufmerksam machte, dass es ein schlechter Stil sei, während eines Auftritts ihrer Gruppe im näheren Umfeld seine eigene Werbung zu verteilen. Mein Ziel gesehen werden zu wollen hatte ich erreicht. Gleichzeitig war ich auf erfrischend peinliche Art damit vertraut gemacht worden, noch ganz am Anfang einer langen Entwicklung zu stehen, an der Bernd Heckmann möglicherweise auch steht.
Neben der Tatsache, dass es gegen jede Form der Höflichkeit verstößt und es sich damit bereits verbietet, gibt es zwei rein sachliche Gründe warum ich es Aufgrund meiner Entwicklung ablehne Werbung bei Auftritten anderer Gruppen zu verteilen.
- Ich folge mit meiner Gruppe einem ganz eigenen Ziel und bemühe mich innerhalb dieser Gruppe eine ganz eigene Energie zu entwickeln. Diese Energie lässt sich naturgemäß während der Auftritte anderer deutscher Gruppen nicht finden. Insofern sind die Menschen, die sich bei den Auftritten anderer Gruppen von deren Energie angesprochen fühlen, für mich überhaupt nicht von Interesse.
- In Bezug auf eine der japanischen Gruppen gesellt sich zu dem Aspekt der Unhöflichkeit auch noch der Aspekt des Peinlichen. Was will mir jemand sagen, der mir vor/nach einem „Kodo“ Konzert einen Webezettel seiner eigenen Schule in die Hand drückt? Doch wohl kaum, dass es in seiner Schule auch nur ansatzweise etwas Ähnliches zu lernen gäbe, wie das was die Trommler während ihres Konzertes vortrugen? Ich ziehe damals wie heute meinen Hut vor der Leistung der Trommler der Gruppe „Kodo“. Von den Trommlern von „Yamato“ oder „Tao“ lasse ich mich immer wieder gerne unterhalten, anderen modernen japanischen Gruppen stehe ich oft mit einem Fragezeichen gegenüber. Jedoch würde ich mich heute bei keiner dieser Gruppen der Peinlichkeit aussetzen, während ihrer Konzerte einen Hinweis auf meine Anwesenheit zu geben.
Das habe ich während meiner Entwicklung zu dem Taikolehrer gelernt, der ich heute bin. Bernd Heckmann führt in seiner Werbung auf, dass er lange Zeit ein Mitglied unserer Gruppe war. Nun ist die Bezeichnung „lange Zeit“ ein sehr dehnbarer Begriff und man wird ihn stets sehr unterschiedlich auslegen können. Ich bin jedoch der Meinung, dass Jemand der „lange Zeit“ Schüler in meiner Schule war, auch ein Grundgefühl für Respekt entwickelt haben sollte. Das hat Bernd Heckmann offensichtlich nicht.
Es ist richtig, dass Bernd Heckmann Mitglied meiner Gruppe gewesen ist. Denke ich an diese Zeit zurück, erinnere ich mich in Bezug auf seine Person weniger an die Entwicklung besonderer Fähigkeiten im Taiko, sondern eher an einen suchenden, oft ratlos und etwas zwanghaft wirkenden Mann. Mit Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass er in seiner Werbung das „Traditionelle“ besonders wertzuschätzen scheint, waren es doch gerade die traditionellen Vorgaben mit denen er sich besonders schwer tat und die meiner Meinung nach der Auslöser für den Austritt aus unserer Gruppe war.
Ich denke Bernd Heckmann wird das alles anders sehen und an anderer Stelle möglicherweise auch so kommentieren. Als ich ihn nach unserer Darbietung mit seinem schlechten Benehmen konfrontierte, gab es für ihn zumindest die Möglichkeit zu erkennen, dass mit seiner Art für sich Werbung zu machen etwas nicht in Ordnung ist und dies auch mir gegenüber zu zeigen.
Stattdessen fand er mit den Ausruf, dass „es ihn einen Scheißdreck interessiere, was ich von seiner Art halten würde“ klare Worte, denen eigentlich nichts hinzuzufügen ist.
Aufgrund seiner sehr persönlichen Reaktion denke ich, Bernd Heckmann schleppt etwas mit sich herum, das weniger mit dem traditionellen Taiko, sondern viel mehr mit seiner Beziehung zu mir als Person zu tun hat.
Offensichtlich findet er mich als Person und möglicherweise auch als Lehrer fragwürdig und wollte auf diesem Weg ein Zeichen setzten. Bedauerlicherweise hat er dazu einen mehr als fragwürdigen Weg gewählt. Darüber hinaus finde ich es mehr als seltsam, dass jemand, den es „einen Scheißdreck interessiert was ich von seiner Art halte“, gerade mich in seiner Werbung als einen Teil der Grundlage seiner eigenen Tradition aufführt.
Wenn also Bernd Heckmann mit seiner Werbung das Ziel verfolgte, gesehen zu werden, dann kann ich ihm hiermit bescheinigen, dass er gesehen worden ist. Jeder seiner früheren Mittrommler hat ihn gesehen und wird sich seine Gedanken gemacht haben. Meine eigenen Gedanken habe ich mit diesem Text zum Ausdruck gebracht. In der Hoffnung, dass der Text den einen oder anderen nachdenklich gestimmt hat, gibt es so einen positiven Aspekt den der Auftritt von Bernd Heckmann neben seiner Werbung für sich, für das Taiko im Allgemeinen gebracht hat.